Um festzustellen, ob sich Tumorgewebe in der Prostata befindet, entfernt der Arzt mit einer dünnen Nadel Gewebeproben aus der Prostata, welche anschließend vom Pathologen unter dem Mikroskop begutachtet werden. Die entfernten Gewebeproben nennt man „Biopsie“ (aus dem Griechischen von Bios = „Leben“ und Opsis = „Sehen“).

In der Regel werden bei einer Prostatabiopsie Gewebeproben stichprobenartig aus mehreren Bereichen der Prostata entfernt, um die Wahrscheinlichkeit, Tumorgewebe zu treffen, zu erhöhen. Der Pathologe kann unter dem Mikroskop nicht nur sehen, ob Tumor in den Biopsien vorhanden ist. Durch die genaue Begutachtung der Gewebeproben kann der Pathologe auch abschätzen, wie aggressiv der Tumor ist.

Die Aggressivität des Tumors beurteilt der Pathologe anhand der Tumorgröße (wieviel Tumor wurde in den Biopsien gefunden?) und mit dem „Gleason-Grad“. Der Gleason-Grad gibt den untersuchten Zellen „Schulnoten“ von 3-5, wobei 3 die bestmögliche Variante, darstellt, während es sich bei Zellen mit der Schulnote 5 um stark veränderte Tumorzellen handelt, die hoch aggressiv sind und eine starke Metastasierungstendenz zeigen (1 & 2 werden heute nicht mehr extra unterschieden und Gleason 3 zugezählt). Da oftmals nicht nur jeweils ein Zelltyp sondern mehrere gleichzeitig vorliegen, hat man sich darauf geeinigt, in den Biopsie-Befunden den häufigsten Zelltyp der gefunden wurde anzugeben und als zweite Zahl den zweithäufigsten oder aggressivsten Zelltyp, sodass eine x + x Formel entsteht.

Gleason 4+4=8 zu ISUP Prognostic Grade Group IV (hohes Risiko)

Gleason 4+4=8 bedeutet, dass der Tumor zu über 95% aus Tumorarealen mit Gleason 4 Muster besteht. Diese Areale sind charakterisiert durch Drüsen, welche nicht klar voneinander abgrenzbar sind und zum Teil ineinander wachsen. Bis zu 5% Tumorareale mit einem Gleason 3-Befund können im Tumor ebenfalls vorhanden sein.

Die Internationale Gesellschaft für urologische Pathologie klassifiziert Prostatakarzinome in fünf Prognosegruppen, wobei Gruppe eins die günstigste und Gruppe fünf die schlechteste Prognose aufweist. Nach dieser Klassifikation fällt ein Karzinom mit einem Gleason-Grad von 4+4=8 in die Prognosegruppe 4 (zweit-ungünstigste Prognosegruppe).

Risiken

Zwei Risiken gilt es zu bedenken.

  1. Es könnte sein, dass schlimmere Gleason 5-Tumorareale in den Biopsien nicht erfasst worden sind, man quasi „vorbei gestochen“ hat.
  2. Es könnte sein, dass die Beurteilung des Gleason-Grades in ihrer Biopsie schwierig war, so dass ein anderer Pathologe möglicherweise eine andere Beurteilung vorgenommen hätte. Eine unterschiedliche Beurteilung des Gleason-Grades durch verschiedene Pathologen kommt in ca. einem Drittel der Prostata Biopsien vor.