Das Prinzip einer Strahlentherapie ist das Verursachen von Schäden an der DNA (= dem Erbgut der Zelle, praktisch ihr Bauplan) durch ionisierende Strahlung – die DNA, die eigentlich aus einem Doppelstrang besteht, bricht auseinander und kann nicht mehr abgelesen werden. Hierbei sind vor allem sich schnell-teilende Zellen betroffen, welche häufig die DNA verdoppeln müssen, diese also häufig ablesen müssen. Das sind sowohl Tumorzellen, aber auch normales Körpergewebe wie z.B. das s.g. „Urothel“, also die Innenauskleidung der Organe, die für die Harnableitung zuständig sind (Harnblase, Harnröhre) oder auch die Zellen des Darmes. Abhängig von der Bestrahlungsart und – Strahlendosis, ist die Strahlenzystitis, also die strahlenbedingte Blasenentzündung, die häufigste Nebenwirkung einer Strahlentherapie, gefolgt von der Harnröhrenverengung.

Der Mechanismus, wie es zu diesen Nebenwirkungen kommt, ist noch nicht gänzlich geklärt. Eine Rolle spielt dabei jedoch die strahlenbedingte Schädigung der Blutgefäße der betroffenen Organe, was wiederum dazu führen kann, das Gewebe schlecht durchblutet wird oder Entzündungen auftreten. Auch kann die besondere Zellschicht, die die Harnorgane auskleidet, abdichtet und verhindert, dass der Urin in das darunterliegende Gewebe eintritt und schädigt (= das „Urothel“) durch Strahlungen direkt geschädigt werden, so dass nun genau das geschieht – der Urin gelangt in die tieferliegenden Schichten und reizt diese, was ebenfalls zu Entzündungen führt. Auch die Blasenmuskulatur selbst kann durch Strahlen direkt Schaden nehmen.

Entzündungen im Körper, also chronische Reizungen, bewirken häufig, dass eine Umwandlung ursprünglicher, spezialisierter aber empfindlicher Zellarten hin zu „belastbaren, widerstandsfähigem“ Ersatzgewebe, dem Bindegewebe, stattfindet. Man kann sich das wie eine Vernarbung oder Schwielenbildung vorstellen. Auf medizinisch nennt man diesen Vorgang „Fibrosierung“. Die Umwandlung geht allerdings mit einem Funktionsverlust des Gewebes einher, so führt zum Beispiel eine Fibrosierung der Muskulatur der Harnblase dazu, dass die Harnblase sich nicht mehr soweit dehnen kann wie normal, ihre sogenannte „Kapazität“ lässt also nach.

Man unterscheidet bei strahlenbedingten Nebenwirkungen eine akute (bis 6 Monate nach der letzten Bestrahlung) von einer späten Phase (alles über 6 Monate hinaus). In der akuten Phase treten häufig Symptome auf, wie bei einer Blasenentzündung: Es kommt zu schmerzhaftem, häufigen Wasserlassen und Blasenkrämpfen, dabei lassen sich jedoch keine Bakterien im Urin nachweisen.

Dadurch, dass die Innenauskleidung der Harnblase relativ lang braucht, um sich zu erneuern, werden manche Schäden erst nach 6 Monaten spürbar. In der späten Phase kann zusätzlich auch der Urin mit Blut vermengt sein (=hämorrhagische Zystitis) oder es entwickeln sich möglicherweise Harnröhrenstrikturen (im Schnitt nach 2 Jahren), also Verengungen der Harnröhre die das Wasserlassen erschweren, mit einhergehender Symptomatik wie einem tröpfelnden Harnstrahl, Restharngefühl, Harnverhalt.

Also – was tun gegen strahlenbedingte Komplikation?

Erfahren Sie hier mehr über die Strahlenzystitis.

Erfahren Sie hier mehr über strahlenbedingte Harnröhrenstrikturen.