Das Prinzip einer Prostatabiopsie ist immer dasselbe: Mit einer Nadel wird Gewebe aus der Prostata entfernt. Man unterscheidet jedoch, ob die Entnahme zufällig (=randomisiert) erfolgt oder gezielt (man also vorher versucht zu erkennen, wo genau der Tumor ist) und wie man an die Prostata herankommt: Über den Darm, den Damm oder sogar das Gesäß.

Randomisierte Biopsie. Der Standard bei der Erstbiopsie ist die randomisierte (zufällige) ultraschall-gesteuerte Biopsie. Hierbei wird die Prostata mit Hilfe eines Ultraschallgerätes untersucht und in verschiedene Bereiche eingeteilt, quasi wie ein Schachbrett. Anschließend entnimmt man aus jeder Region eine Probe.

Gezielte Biopsie. Es gibt mehrere Methoden, bei denen man zunächst versucht, einen Tumor sichtbar zu machen und dann anschließend gezielt biopsiert.

  • Ultraschall. Das Ultraschall-Verfahren stellt den Standard der Probenentnahme dar. Zusätzlich zur randomisierten Probenentnahme kann man versuchen, einen Tumor sichtbar zu machen und dann gezielt zu biopsieren. Allerdings sieht man hier in der Regel nur große Tumore, auch kann man nicht immer unterscheiden, ob es sich bei der Auffälligkeit wirklich um einen Tumor handelt oder nicht vielleicht doch um eine gutartige Veränderung
  • Elastographie. Tumorgewebe ist in der Regel dichter (=härter) als normales Gewebe, was man sich in der Elastografie zu Nutze macht. Diese wird durchgeführt wie ein normaler rektaler Ultraschall, zeigt jedoch Stellen, welche härteren Widerstand aufweisen, so dass man diese Areale gezielt biopsieren kann.
  • Histo-Scan: Das Prinzip des Histo-Scans beruht darauf, dass Bilder, zunächst mit einer Ultraschallsonde erstellt und anschließend speziell mit einem Computer ausgewertet werden. Während das menschliche Auge eine schlechtere Auflösung hat, kann ein Computer sehr viel feinere Unterschiede in den Graustufen der erstellten Bilder wahrnehmen und auswerten, was wiederum Rückschlüsse auf einen Tumor zulässt. Studien haben jedoch gezeigt, dass ein Histo-Scan im Vergleich zu einer „normalen“ ultraschallgesteuerten Biopsie nicht besser ist.
  • MRT gesteuert. Vor einer MRT-gesteuerten Biopsie wird zunächst ein „multiparametrisches MRT“ (kurz: mp-MRT) durchgeführt. Das ist ein MRT, welches verschiedene radiologische Parameter kombiniert und dadurch noch genauer wird, als ein „normales“ MRT. Studien haben gezeigt, dass Tumore besser im mp-MRT identifiziert werden können, als im normalen Ultraschall. Auch können im MRT bestimmte Bereiche untersucht werden, welche für den Ultraschall schlechter zugänglich sind (z.B. die sog. „anteriore Zone“ der Prostata). Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man im mp-MRT auffällige Areale gezielt biopsiert:
  1. Die gezielte MRT-Biopsie. Man kann eine Biopsie direkt im MRT (also unter Sicht) durchführen. Der Vorteil ist, dass dieses Verfahren sehr genau ist und man genau sehen kann, wo man hinein sticht. Der Nachteil ist jedoch, dass es sich um ein sehr aufwändiges Verfahren handelt, welches lange dauert und dazu führt, dass die Patienten in einer unbequemen Lage ausharren müssen.
  2. Die MRT-Fusionsbiopsie. Dabei werden die Bilder, die bei einer mp-MRT-Untersuchung erstellt wurden anschließend in einen Computer eingelesen und verarbeitet. Ein spezielles Ultraschallgerät erlaubt es anschließend, die MRT-Bilder mit herkömmlichen Ultraschallbildern zu kombinieren. So können im MRT auffällige Areale im Ultraschall – quasi live – abgebildet und gezielt biopsiert werden. Anschließend wird zusätzlich eine „herkömmliche“ randomisierte, d.h. zufallsgesteuerte, Zwölffach-Biopsie durchgeführt.
  3. Die Kognitive Biopsie. Bei der kognitiven Biopsie schaut sich der Untersucher vor der Biopsie genau das MRT an und versucht dann, sich auffällige Befunde zu merken und im Ultraschall wiederzufinden und entsprechend zu biopsieren.
    • Vorteile einer MRT-gesteuerten Biopsie. In Studien weisen darauf hin, dass ein Vorteil der MRT-Biopsie die höhere Treffsicherheit verglichen mit dem Standardverfahren der Ultraschall-Biopsie ist. Im MRT können auffällige Areale dargestellt werden, welche man mit einer „normalen“ Ultraschall-Untersuchung nicht finden würde. Gerade für Betroffene, welche sich bereits wiederholt einer Prostata-Biopsie unterziehen mussten, in der jedoch nie etwas gefunden wurde, stellt die MRT-Fusionsbiopsie also eine höhere Chance dar, die Ursache für eine PSA-Erhöhung auszumachen. Durch die höhere Trefferquote und dadurch verminderte Wiederholungsrate der Biopsien ist auch die Infektionsgefahr, welche eine Komplikation von Biopsien darstellt, geringer. Sollte sich aus der Biopsie die Diagnose „Prostatakrebs“ ergeben und eine weitere Therapie geplant sein, ist es auch von Vorteil, wenn bereits ein MRT vorhanden ist. So kann z.B. vor einer möglichen Operation im MRT abgeschätzt werden, ob bereits vergrößerte Lymphknoten vorhanden sind oder ein vorhandenes MRT kann zur Planung von strahlentherapeutischen Therapien genutzt werden.
    • Nachteile einer MRT-gesteuerten Biopsie. Die MRT-Fusionsbiopsie ist ein sehr junges Verfahren, welches noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen getragen wird. Das heißt, dass Sie mit einer privaten Zuzahlung rechnen müssen. Bei eindeutigem PSA-Verlauf ist zudem eine MRT-Fusionsbiopsie nicht notwendig, da bereits mit einer „normalen“ Biopsie die Diagnose „Prostatakrebs“ gesichert werden kann.
  • Der Sonderfall: Die Template-Biopsie. Bei der Template-Biopsie wird die Biopsie nicht über den Darm, wie üblich, sondern stattdessen über den Damm durchgeführt. Hierfür benutzt man eine Schablone (englisch „Template“), welche sehr geringe Abstände aufweist, so dass eine engmaschige Probenentnahme möglich ist. Außerdem ist das Infektionsrisiko bei der Biopsie über den Damm geringer als über den Darm, so dass man meistens auf Antibiotika verzichten kann. Nachteile sind jedoch, dass es sich um ein sehr aufwändiges Verfahren handelt, welches in Narkose durchgeführt werden muss.