Achtung: Wenn Sie sich unter einer intermittierenden Hormontherapie befinden, kann es sein, dass Progether Sie fälschlich als kastrationsresistent anzeigt. In den sog. Off-Phasen ist ein Wiederansteigen des PSA-Wertes zunächst normal! Ihr Arzt wird Sie hierzu näher beraten.

Prostatakarzinomzellen benötigen zum Wachstum in der Regel das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Testosteron wird hauptsächlich in den Hoden gebildet, zu einem geringen Anteil jedoch auch in den Nebennieren oder sogar durch Prostatakrebszellen selber (= autokrine Stimulation). Unterbricht man die stimulierende Wirkung des Testosterons auf die Prostatakrebszellen, kann man deren Wachstum aufhalten oder zumindest verlangsamen. Eine solche Therapie nennt man Hormontherapie. Um den Testosteronwert zu senken, werden sogenannte "Hormonspritzen" (LHRH-Analoga oder LHRH-Antagonisten) eingesetzt, welche die Testosteronproduktion in den Hoden reduzieren und quasi zu einer "chemische Kastration" führen.

Die Prostatakrebszellen können sich jedoch auf die niedrige Testosteronsituation einstellen und dann trotz Hormontherapie weiterwachsen. (Die Mechanismen der Androgenresistenz können Sie hier im Detail nachlesen). Wenn der Tumor trotz Absenkung des Testosterons unter der sogenannten "Kastrationsschwelle" (diese liegt bei 1,7 nm/l, oder 50 ng/dl) weiter wächst, spricht man von einem** **kastrationsrefraktären Prostatakarzinom.

Wie wird ein kastrationsrefraktäres Prostatakarzinom festgestellt?

Normalerweise sinkt der PSA-Wert, wenn er eingangs erhöht ist, unter einer laufenden Hormontherapie mit LHRH-Analoga oder LHRH-Antagonisten (=Hormonspritze) deutlich ab. Der PSA-Wert sollte sich dann innerhalb einiger Wochen auf dem tiefsten Wert, dem sogenannten "Nadir" (arab.= der Fußpunkt) einpendeln und auf diesem Niveau stabil bleiben. Steigt der PSA-Wert jedoch trotz Hormontherapie in mehr als zwei Messungen an, kann das ein erstes Zeichen dafür sein, dass die Hormontherapie ihre Wirkung auf die Tumorzellen verliert.

Folgende Punkte sind wichtig, um festzustellen, ob die Hormontherapie Ihre Wirkung verliert:

  • Ist der Testosteronwert ausreichend durch die Hormontherapie abgesenkt? Der Testosteronwert sollte idealerweise unter der Kastrationsschwelle liegen: Diese liegt bei 1,7 nm/l, oder 50 ng/dl. Den aktuellen Testosteronwert können Sie bei Ihrem behandelnden Arzt erfahren. Sollte der Testosteronwert nicht ausreichend abgesenkt sein, ist es ggf. sinnvoll, zunächst einmal die Hormontherapie zu wechseln, also ein anderes Präparat zu verwenden.
  • Wie stark ist der PSA-Wert angestiegen?
    • Leichte PSA-Schwankungen: Der PSA-Wert bleibt meistens nicht starr auf einem bestimmten Niveau, sondern darf auch leichten Schwankungen unterliegen. Diese liegen dann jedoch im Bereich von Nachkommastellen (z.B. Anstieg von 0,23 auf 0,28). Hier wird Ihr behandelnder Arzt in der Regel eine PSA-Kontrolle veranlassen.
    • Kontinuierlicher PSA-Anstieg: Steigt der PSA-Wert in mehreren Messungen trotz Testosteron im Kastrationsniveau an, muss auch an das Vorliegen eines kastrationsrefraktären Prostatakarzinoms gedacht werden. Laut internationaler Leitlinien sollten für den Beweis für eine Kastrationsresistenz folgende Kriterien erfüllt sein:
      • Der PSA-Wert sollte in drei Messungen, die jeweils mindestens eine Woche Abstand voneinander haben, ansteigen.
      • Mindestens in zwei Messungen sollte der PSA-Wert 50% höher sein als der Nadir.
      • Der PSA-Wert soll größer als 2ng/ml sein.
  • Wachstum von Metastasen: Ein kastrationsrefraktäres Prostatakarzinom kann auch vorliegen, wenn der PSA-Wert nicht ansteigt, aber eine Vermehrung von Metastasen oder eine Vergrößerung von Metastasen in den bildgebenden Kontrolluntersuchungen nachgewiesen wird.

Wichtig: Nicht immer müssen alle diese Kriterien erfüllt sein, um ein kastrationsrefraktäres Prostatakarzinom anzunehmen und eine entsprechende Therapie einzuleiten. Die Kriterien für einen Therapiewechsel können sehr individuell sein und richten sich auch nach den Erfahrungswerten des behandelnden Arztes.