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Progether Newsletter, April 2018


Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte ...



Ein sonniges „Hallo“ von Progether,

In unserem Frühlings-Newsletter für den Monat April möchten wir uns dem Thema „Precision Therapy / personalisierte Medizin“ widmen.

Bei der „Precision Therapy“ versucht man eine Krebstherapie durchzuführen, welche sich gezielt auf genetische Veränderungen der Tumorzellen richtet. Durch die rasant fortschreitende Forschung wird diese Form der Behandlung aktuell immer wichtiger, so dass die personalisierte Medizin hoffentlich bald den Standard der Krebstherapie darstellt.

Ein Paper, welches zwar nicht neu ist, jedoch den Ansatz sehr gut veranschaulicht, ist „DNA-repair defects and Olaparib in metastatic prostate cancer“ von Mateo et al. (New England Journal of Medicine 2015).

Ausschnitt aus dem zitierten Journal-Artikel Was hat man hier untersucht?

49 Patienten mit einem metastasierten kastrationsrefraktären Prostatakrebs, welche praktisch als „austherapiert“ galten, wurden mit einem Medikament (einem PARP-Inhibitor: „Olaparib“) behandelt, welches normalerweise bei Eierstockkrebs eingesetzt wird. Die Studie erbrachte zwei erstaunliche Ergebnisse:

Ein Drittel der eigentlich austherapierten Patienten (33%) haben auf Olaparib reagiert und zeigten ein signifikant langsameres Fortschreiten der Erkrankung, weswegen man anschließend auf der Suche nach der Ursache ihr Erbgut analysierte. Es zeigte sich, dass all diese Männer eine Mutation in einem oder mehreren Genen aufwiesen, die für die Reparatur von DNA-Schäden verantwortlich sind (zumeist das „BRCA-Gen“ oder das „ATM-Gen“). Diese Gene sind häufig auch bei Brust- und Eierstockkrebs mutiert, und Tumore, die diese Genveränderungen aufweisen, reagieren meist auch auf die Therapie mit Olaparib.

Man hat in dieser Studie also praktisch das „Pferd von hinten aufgezäumt“ und erst ein Medikament gegeben, um anschließend zu schauen, wer davon profitierte. Aus den Ergebnissen können wir jedoch schließen, dass Männer, welche im Erbgut eine bestimmte Mutation aufweisen, gut mit gezielten Medikamenten behandelt werden können, und dass wahrscheinlich jeder Dritte mit einem metastasierten Prostatakarzinom von einer Therapie mit einem PARP-Inhibitor profitieren würde.

Anstatt mit dem Gießkannenprinzip alle Betroffenen mit den gleichen Medikamenten zu behandeln, muss es das Ziel der zukünftigen Medizin sein, jeden einzelnen Patienten auf Grund seiner genetischen Abweichung zu therapieren. Während das zwar aktuell noch Zukunftsmusik ist, entstehen tatsächlich an einigen großen Unikliniken immer mehr genetische Sprechstunden, welche eine Sequenzierung und anschließende Therapie anbieten.

Wir sind uns sicher, dass dies ein Thema ist, welches auch auf dem großen AUA-Kongress (The American Urological Association und Urology Care Foundation) im Mai behandelt werden wird, und wir im nächsten Monat darüber berichten werden können.

Bis dahin sendet Ihnen herzliche Grüße,

Ihr Progether-Team