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Progether Newsletter, Mai 2018

Hallo von Progether,

„alles Neue macht der Mai“ – und so ging in diesem Monat auch die PSA-Debatte in die nächste Runde.

PSA Screening

Nach einer emotional geführten Diskussion auf Grund eines im Ärzteblattes erschienenen Artikels, der Stellung gegen ein PSA-Screening bezog, änderte just im Mai die USPSTF (United States Preventive Services Task Force) ihre Empfehlung, die bisher eine PSA-Vorsorge ablehnte: Nun sollen Männer zwischen 55-69 Jahren mit ihrem Arzt die Vor- und Nachteile eines Screenings diskutieren und anschließend gemeinsam eine Entscheidung dafür oder dagegen treffen.

Der Grund, warum das PSA-Screening bisher von der USPSTF abgelehnt worden war, war die Angst vor Überdiagnose und Übertherapie, mit den damit einhergehenden vermeidbaren Nebenwirkungen einer Therapie, und die Tatsache, dass in einigen Studien die Gefahr, an Prostatakrebs zu versterben, trotzdem nicht gesenkt werden konnte.

Seit 2012, also seitdem die USPSTF sich gegen das PSA-Screening ausgesprochen hatte, fand eine signifikante Abnahme dieser Untersuchung statt, obwohl andere große Organisationen wie die AUA (American Urological Association) oder die ACS (American Cancer Society) sich klar dafür aussprachen.

Die neuen Empfehlungen könnten dies in Zukunft wieder ändern und wieder mehr Männer zurück zur Vorsorge bringen. Zudem ist diese Empfehlung auch ein Zeichen der zunehmenden Patienten-Emanzipation, welche die Entscheidung über eine Diagnostik gut informiert gemeinsam mit ihrem Arzt treffen sollen.

Sport auf Rezept

In Australien wiederum gibt es jetzt Sport auf Rezept – die Clinical Oncology Society of Australia hat ihre Leitlinien geändert und Bewegung jetzt zum integralen Bestandteil der Behandlung bei Krebspatienten gemacht. Publiziert wurde diese neue Richtlinie im Medical Journal of Australia.

Die Richtlinie baut darauf, dass mit

  • 150 min. Ausdauertraining moderater Intensität bzw. 75 min. Training hoher Intensität (z.B. Walking, Joggen, Fahrrad fahren, Schwimmen),
  • 2-3 Einheiten Krafttraining moderater bis hoher Intensität pro Woche, um die Hauptmuskelgruppen anzusprechen,
  • natürlich jeweils angepasst an die individuelle körperliche Belastbarkeit
der Gesundungsprozess unterstützt wird.

Was könnte noch helfen?

Gute Nachrichten für Weintrinker! So fand eine neue Arbeit um Prof. Sharokh Shariat von der Univ. Klinik Wien, Klinik für Urologie, breites mediales Echo mit der Aussage: „Wein schützt die Prostata“.

Wir haben uns das mal genauer angeschaut: Die internationale Forschungsgruppe hatte eine Meta-Analyse durchgeführt, also verschiedene Studien zu derselben Fragestellung untersucht, und die Ergebnisse zusammengefasst. Zunächst konnte die leicht protektive Wirkung nur für den moderaten Konsum (=ein Glas pro Tag) von Rotwein nachgewiesen werden; Weißwein erhöhte hingegen das Risiko. Grund hierfür sind die im Rotwein enthaltenen Polyphenole, welche protektiv wirken, und welche im Weißwein nicht in derselben Menge enthalten sind. Zusammengefasst wurden die Ergebnisse folgendermaßen:

„In this meta-analysis, moderate wine consumption did not influence the risk of PCa. However, moderate consumption of white wine increased the risk of PCa, whereas moderate consumption of red wine had a protective role. This hypothesis-generating data should serve as a rationale for uncovering the molecular underpinnings of this differential effect in order to potentially devise prevention strategies in the at-risk population.”
(Aus: “The impact of moderate wine consumption on the risk of developing prostate cancer” Vartolomei MD et al. Clin Epidemiol. 2018 Apr 17;10:431-444)

Frei übersetzt:

Laut dieser Meta-Analyse hat der moderate Wein-Konsum das Risiko für Prostatakrebs insgesamt nicht beeinflusst. Während Weißwein das Risiko für Prostatakrebs erhöhte, konnte moderatem Rotwein-Konsum eine protektive Wirkung nachgewiesen werden. Diese Daten sollten als Grundlage dafür dienen, dass die molekularen Mechanismen genauer untersucht werden, um mögliche Präventionsstrategien der Risikogruppe zu entwickeln.

Nun, wir sind gespannt auf die weiteren Arbeiten zu diesem Thema und verabschieden uns (mit einem Glas Rotwein in der Hand und) mit herzlichen Grüßen,

Ihr Progether-Team