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Progether Newsletter, Oktober 2018

Hallo von Progether,

Die Gewinner des diesjährigen Nobelpreises für Medizin stehen fest. Ein Amerikaner und ein Japaner werden ausgezeichnet für ihre Arbeit zur Immuntherapie in der Krebsbehandlung. Immuntherapie bedeutet, dass man das körpereigene Immunsystem dazu bringt, Tumorzellen als fremd zu erkennen und anzugreifen.

Tumorzellen haben die Möglichkeit, sich vor dem Immunsystem zu verstecken, indem sie sich bestimmter Signalwege, sog. „Checkpoints“, bedienen. In dem man diese Checkpoints ausschaltet, wird der Tumor für das Immunsystem sichtbar und zum Ziel der körpereigenen Abwehr. Checkpoint Inhibitoren werden bereits erfolgreich bei der Behandlung von Hautkrebs, Lungenkrebs und Nierenkrebs eingesetzt. Zum Prostatakarzinom laufen aktuell Studien, um die Wirksamkeit der Checkpoint Inhibitoren zu untersuchen. Bereits jetzt gilt die Immuntherapie neben Operation, Strahlen- und Chemotherapie als die „vierte Säule“ der Krebstherapie.

Neues von der ESMO (European Society for Medical Oncology) - Konferenz 2018 in München: Bislang war es unklar, ob eine lokale Behandlung beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom sinnvoll ist. Neue Analysen der STAMPEDE-Daten konnten einen Vorteil im Gesamt-Überleben zeigen, wenn die Teilnehmer eine lokale Strahlentherapie + Hormontherapie erhalten haben. Dies gilt allerdings nur für die Teilnehmer mit einer geringen Metastasenlast, bei Patienten mit hoher Metastasenlast hat sich dieser Vorteil nicht gezeigt. Hohe Metastasenlast war definiert als vier oder mehr Knochenmetastasen (davon eine außerhalb des axialen Skeletts) und/oder Organmetastasen.

Als Fortsetzung unserer Statistikreihe beschäftigen wir uns in diesem Newsletter mit der Hazard-Ratio, dem Konfidenzintervall sowie dem Beobachtungszeitraum.

Hazard und Hazard-Ratio

Die Hazard-Ratio (Hazard = engl. Gefahr, Risiko) wird angegeben, um den Einfluss einer Variablen (z.B. einer Beobachtung oder einer Therapie) auf eine Gruppe anzugeben. Dabei werden immer zwei Gruppen eine bestimmte Zeit lang miteinander verglichen, weswegen sich die Hazard-Ratio immer auf einen bestimmten Beobachtungszeitraum bezieht.

Nehmen wir als Beispiel den Wetterbericht: Viele Parameter sind für die Vorhersage der Regenwahrscheinlichkeit wichtig. Unsere Variable ist in diesem Fall die geographische Lage, also der Ort, für den das Wetter vorgesagt werden soll. Stellen wir uns jetzt folgende Studie vor: Wir messen an 100 aufeinander folgenden Tagen, ob es in Berlin regnet, und an denselben 100 Tagen, ob es in Hamburg regnet. Das Ergebnis ist, dass es in dem Beobachtungszeitraum in Berlin 18 Mal geregnet hat und in Hamburg 27 Mal. Das Risiko/die Hazard für Regen in Berlin betrug während dieser 100 Tage 18% und das Risiko/die Hazard in Hamburg 27%. Für die Hazard-Ratio, also das Risiko-Verhältnis (= den Unterschied) beider Orte, setzt man die beiden Hazards ins Verhältnis zueinander, indem man einen Bruch bildet.

Für Hamburg gilt:

27 / 18 = 1,5
Es hat also 1,5-mal so häufig geregnet wie in Berlin, und wäre dementsprechend
HR = 1,5

Konfidenzintervall

Auch Erwartungsbereich oder Vertrauensintervall genannt. Hintergrund ist, dass ein Experiment, auch wenn es zweimal nacheinander durchgeführt wird, nicht unbedingt genau das gleiche Ergebnis erbringen wird, da es abhängig von der gewählten Stichprobe ist. Nehmen wir wieder unser Regenbeispiel von oben. Es ist wahrscheinlich, dass wir an anderen 100 Tagen ein anderes Ergebnis haben können (z.B. 26% für Berlin und 28% für Hamburg). So wird man nicht unbedingt immer ganz genau die gleiche Verteilung in unterschiedlichen Stichproben finden. Das Konfidenzintervall gibt an, in welchem Bereich sich zum Beispiel mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit der gesuchte Parameter befindet, wenn man es unzählige Male wiederholt.

Beobachtungszeitraum

Der Beobachtungszeitraum gibt den Zeitraum an, in welchem ein Experiment stattfindet. Gerade bei Prostatakrebsstudien (aber auch bei vielen anderen Arbeiten) sollte auf einen ausreichend langen Beobachtungszeitraum geachtet werden. Dadurch, dass der Prostatakrebs zu den eher langsam wachsenden Tumoren gehört, zeigen sich manche Interventionen/Eingriffe erst nach einer bestimmten Zeit.

Ist der Beobachtungszeitraum zu kurz gewählt, könnte sich fälschlicherweise kein Zusammenhang zeigen, da die Endpunkte noch gar nicht erreicht werden konnten. Ein etwas kurioser Vergleich, um die Bedeutung eines ausreichend langen Zeitraumes bildlich darzustellen, wäre eine Studie zum Thema: „Wie wirksam sind bei einem Sprung aus dem Flugzeug Fallschirme?“. Während direkt nach dem Sprung aus dem Flugzeug noch alle mutigen Teilnehmer überleben, werden es nach 30 Minuten nur noch diejenigen sein, die einen Fallschirm dabeihatten. Dafür müsste man diesen Versuch jedoch lange genug beobachten und darf nicht nach einer Sekunde aufhören und postulieren, dass Fallschirme überflüssig seien.

Waren diese Informationen nützlich für Sie? Möchten Sie mehr erfahren über statistische Begriffe, oder gibt es ein anderes Thema rund um Prostatakrebs, welches Sie interessiert?

Senden Sie uns eine E-Mail mit Ihren Kommentaren an hallo@progether.com. Wir freuen uns!

Bis dahin senden wir Ihnen herzliche Grüße,
Ihr Progether-Team