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Progether Newsletter, Januar 2019

Hallo von Progether,

Auf Wunsch eines Progether-Nutzers möchten wir in diesem Newsletter auf die Nebenwirkungen einer postoperativen Bestrahlung eingehen. Hierzu stellen wir ein 2016 im European Journal of Urology erschienenes Paper von Adam et al. vor:

In dieser Studie wurden knapp 13.000 Patienten untersucht, bei denen eine radikale Prostatektomie durchgeführt wurde. Knapp 2000 Patienten haben nach der Operation noch eine zusätzliche Therapie in Form einer Nachbestrahlung und/oder Hormontherapie bekommen. Untersucht wurde der Einfluss der zusätzlichen Therapien auf die Potenz, Kontinenz und die Lebensqualität.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die Kontinenz bei Patienten, welche operiert + bestrahlt wurden, 4% schlechter war als bei denen, welche nur operiert wurden. Eine Hormontherapie erhöhte das Inkontinenzrisiko um weitere 4%. Das Risiko für schwere Inkontinenzen (definiert als mehr als 3 Vorlagen pro 24h) stieg durch die zusätzliche Bestrahlung um 1% und um 3% für diejenigen, die zusätzlich eine Hormontherapie erhielten. Bzgl. der Potenz zeigte sich bei denen, die operiert + bestrahlt wurden, ein 18% schlechteres Ergebnis, eine Hormontherapie verschlechterte die Situation um weitere 17%.

Die Lebensqualität wurde durch eine zusätzliche Strahlentherapie um 10% gemindert, eine begleitende Hormontherapie führte zu einer zusätzlichen Minderung um 12%. Insgesamt bedeutet das für diejenigen Betroffenen, welche multimodal (also mit mehreren Therapien) behandelt wurden, ein erhöhtes, aber überschaubares Risiko für eine Inkontinenz und Impotenz. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Hormontherapie und Inkontinenz noch nicht klar und bedarf noch weiteren Untersuchungen. Vermutet wird hier ein additiver Effekt von Strahlentherapie und Androgenentzug auf den Muskelabbau.

Auf Facebook bemühen wir uns, Artikel zu posten, die wir persönlich interessant finden und von denen wir hoffen, dass sie auch unseren Mitgliedern nützlich sein können. In einem Kommentar zu einem unserer letzten Postings zum Thema grüner Tee in der Krebstherapie (Originaltitel: Tea’s value as a cancer therapy is steeped in uncertainity) wurden wir jedoch darauf hingewiesen, dass manche Nutzer auf Grund der in englischer Sprache verfassten Artikel Verständnisschwierigkeiten haben. Leider sind die meisten qualitativ hochwertigen Artikel auf Englisch, da die großen Journals oder Online-Fachseiten oftmals international sind – nichtsdestotrotz möchten wir auf diese berechtigte Kritik selbstverständlich eingehen. Wir werden in Zukunft immer eine kurze Zusammenfassung auf Deutsch zu wichtigen, englischsprachigen Posts hinzufügen und möchten hier auch noch einmal die relevanten Punkte zusammenfassen.

In dem o.g. Artikel geht es um eine möglicherweise schützende Wirkung von Tee (v.a. grünem) gegen Krebs. Anlass für diese Hypothese sind populationsbezogene Studien, welche zeigen, dass die Risiken für bestimmte Krebserkrankungen in einigen asiatischen Ländern wie China oder Japan geringer sind. Vor allem einem Bestandteil des Tees werden dabei positive Wirkungen zugeschrieben: den Catechinen.

Versuche, diesen positiven Effekt in klinischen Studien zu belegen, konnten jedoch kein eindeutiges Ergebnis bringen. Während Laborversuche an Zellreihen oder Tierversuche vielversprechend sind, ist die Lage beim Menschen weiterhin unklar.

Problematisch ist auch, dass bei der Krebsentstehung viele Faktoren eine Rolle spielen. Fall-Kontroll-Studien oder epidemiologische Studien zu diesem Thema können deswegen keine klare Aussage treffen, da auch andere Faktoren, wie z.B. ob die beobachteten Teilnehmer geraucht haben oder nicht, Einfluss auf eine Krebsentstehung haben.

Einige große Kohortenstudien zeigten jedoch durchaus positive Effekte: Liu et al (Liu, J. et al. Eur. J. Epidemiol. 31, 853–865 (2016).) sahen bei Tee-Trinkern eine 8-21%ige Verringerung des Risikos an Krebs zu versterben, Van den Brandt et al (van den Brandt, P. A. Eur. J. Epidemiol. 33, 183–200 (2018).) sahen eine sinkende Sterblichkeit bei steigendem Tee-Konsum.

Der Originalartikel findet sich hier unter:
https://www.nature.com/articles/d41586-019-00397-2

Waren diese Informationen nützlich für Sie? Gibt es ein anderes Thema rund um Prostatakrebs, welches Sie interessiert?

Senden Sie uns eine E-Mail mit Ihren Kommentaren an hallo@progether.com. Wir freuen uns!

Bis dahin schicken wir Ihnen herzliche Grüße,
Ihr Progether-Team